Das zweite Mal an Covid-19 erkrankt

Eine junge Ärztin berichtet als Betroffene über das, was sie kaum für möglich hielt: nur wenige Monate nach der ersten Erkrankung infizierte sie sich im November ein zweites Mal mit Covid-19

„Das erste Mal habe ich mich vermutlich in der Klinik in der Abteilung für Kardiologie angesteckt.
Ich bin Ärztin und Anfang April wurden auch in unserem Landkreis die ersten Fälle immer mehr. Von den Nachbarländern hatten wir schon vieles in Bezug auf Corona gehört, in Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt großen Notstand in der Versorgung mit Schutzausrüstung und wir hatten die Maßgabe ohne Maske zu arbeiten. So wurde ich schnell zu einer Kontaktperson eines Patienten, der im Verlauf positiv getestet und an COVID erkrankt war.

Ich hatte Nachtdienst und bekam einen Absonderungsbescheid des Gesundheitsamtes, dass ich als enge Kontaktperson (ich hatte den Patienten längere Zeit ohne Schutzausrüstung untersucht) zuhause bleiben muss. Der Arbeitgeber hatte die Maßgabe gegeben, dass man arbeiten darf/muss/kann, wenn man keine Symptome aufweist. Streng genommen hatte ich Kopfschmerzen und Halsschmerzen, wer hat das nicht mal nach 13h Nachtdienst. Also machte ich eine SARS-COV-2 PCR (tiefer Nasen-/Rachenabstrich) in der Klinik, um weiter arbeiten zu können. 4h später der Anruf des Labors: der Test war positiv. Ich wurde von Kollegen abgelöst und ging nach Hause. 14 Tage Quarantäne.
Außer Kopfschmerzen, Halsschmerzen und vermehrter Müdigkeit hatte ich keine Beschwerden.
Es gab viele Informationen in den Medien, beginnende Studien, viel Nützliches, aber auch viel Beängstigendes. Schwere Verläufe nicht nur bei älteren, vorerkrankten Menschen, auch junge, fitte Menschen, die stationäre Behandlungen, Sauerstofftherapie brauchten. Irgendwann konnte ich die Nachrichten nicht mehr sehen. Bekam ich jetzt Husten, kriegte ich vermeintlich schwerer Luft, nur weil dies so beschrieben war? Ich vertraute auf meinen Körper und die Immunabwehr und kam mit einem sehr milden Verlauf und gutem Wohlbefinden aus der Quarantäne.

Noch mal Corona? Mehr als unwahrscheinlich. Dachte ich.

Ca. 5 Monate später, im September, machte ich bei der Betriebsmedizinerin einen Antikörper Test. Negativ. Da ich einen sehr milden Verlauf hatte und bereits einige Zeit verstrichen war, gehe ich davon aus, dass ich entweder überhaupt keine Antikörper gebildet habe oder sie nicht mehr nachweisbar waren. 
Im November, also 7 Monate nach der ersten Infektion, wurde ich krank. Ich hatte zuvor Nachtdienste in der Zentralen Notaufnahme, etwa 2-3 Tage später fühlte ich mich schlecht. Höllische Kopfschmerzen, Hals- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Husten, Erschöpfung, Unwohlsein. Nachts musste ich mich mehrfach übergeben. Grippe dachte ich, meldete mich krank. Nach 3 Tagen keine Besserung, sodass die Klinik mich bat, nochmals einen Corona Abstrich zu machen. Nochmal Corona? Mehr als unwahrscheinlich. Dachte ich.

Beim Hausarzt ließ ich mich abstreichen, am nächsten Morgen 5 verpasste Anrufe auf dem Handy. Es meldet sich sicher niemand nur um mitzuteilen, dass ein Test negativ ist. Das Gesundheitsamt bestätigte, dass die SARS-COV-2 PCR erneut positiv ist. In unserem Landkreis war bislang erst eine Zweit-/Reinfektion beschrieben. Ich selbst war immer noch krank, erschöpft, mit zusätzlich Husten, Geschmacksverlust. Zum Glück kein Fieber, keine Atemnot. Wo hatte ich mich diesmal angesteckt, fragte ich mich. In der Notaufnahme isolieren wir alle Patienten, die im weitesten Sinne COVID haben könnten, Schutzausrüstung gibt es inzwischen ausreichend. Privat hatte ich kaum jemanden getroffen, wenn dann draußen im Freien und mit ausreichend Abstand. War vielleicht doch meine erste SARS-COV-2 PCR falsch positiv? Es wurde versucht, den ersten Abstrich von April zu beschaffen, um eine mögliche Mutation des Virus zu detektieren oder um zu prüfen, ob der Test tatsächlich positiv war. Leider hatte man die Probe inzwischen verworfen. Letztlich wird man die Frage nach der Ansteckung oder einer Reaktivierung des Virus nicht abschließend klären können. Weitere Tests wurden durchgeführt. In Stuttgart erfolgt aktuell eine Studie, die medizinisches Personal und den Verlauf, die Serokonversion der Antikörper nach einer COVID – 19 Erkrankung, erforscht. Ich schickte Proben hin. IgA Antikörper habe ich schon gebildet, der weitere Verlauf bleibt abzuwarten. 
Da ich die erste COVID Erkrankung gut überstanden hatte, hatte ich Vertrauen, dass es auch diesmal wieder gut werden würde. Auch wenn ich deutlich mehr und stärkere Symptome hatte. Zwischendurch erkrankte auch mein Partner, mit dem ich zusammen wohne. Auch ihn erwischte es heftig mit Fieber, Schüttelfrost, Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen, Kopf- und Halsschmerzen. Geschmacksverlust. Er schmeckt auch heute, 4 Wochen nach gesicherter Infektion, noch wenig. Hier mache ich mir Vorwürfe und Sorgen. Was, wenn der Geschmack nicht wieder kommt? Hoffen wir das beste.
Immer noch wache ich häufig mit Kopfschmerzen auf, fühle mich tagsüber müde, schlapp. Muss mich deutlich mehr anstrengen um über längere Zeit konzentriert zu bleiben. Vergesse Dinge. Damit kann ich leben, ich kenne und sehe deutlich schwerere Verläufe, kann mich hiermit noch glücklich schätzen. In der Zentralen Notaufnahme haben wir täglich mehrere COVID-19 positive Patienten, einige davon bereits Sauerstoffpflichtig, schwer erkrankt. Tendenz steigend.“ 


An alle Corona-Leugner:
Wenn ihr schon der Wissenschaft nicht glaubt und Offensichtliches so vehement leugnet: haltet euch an die Maßgaben, haltet Abstand, schützt euch und eure Mitmenschen, seid solidarisch. Damit wir genügend Kapazitäten haben, auch euch im Falle einer Ansteckung, Erkrankung adäquat medizinisch zu versorgen. 

Marie (Name geändert), ist junge Ärztin in einem Krankenhaus und hat für Coronaleugner null Verständnis